Erfahrungsbericht – Der Weg zum eigenen Ferienhaus

Februar 2019

Wir probieren es für euch aus. So beginnt Stefanie Rabe ihren Blog. Darauf berichtet die Berlinerin, wie sie sich zusammen mit ihrem Mann in ein Ferienhaus-Abenteuer gestürzt hat. Das Paar hat zwei Kinder und besitzt seit Kurzem ein Haus am Stettiner Haff in Mecklenburg-Vorpommern. Aus dem einstigen Wohnhaus soll eine schicke Ferienimmobilie werden. Stefanie Rabe berichtet über die turbulente Sanierungszeit auf „Ferien am Wasser“.

Manchmal, wenn das Schietwetter überhandnimmt, man nicht nach draußen will und es innen auch nicht viel gemütlicher ist, weil das Haus um uns herum die reinste Bruchbude ist, mache ich kurz die Augen zu und träume mich ungefähr ein Jahr in die Zukunft. Dann werden um mich herum hübsche kleine Sitzgelegenheiten mit Samtpolstern stehen, in denen ich aus ebenso hübschen Tassen meinen Kaffee trinken werde. Wenn ich dann die Augen öffne und aus dem Fenster des künftigen „Kaminzimmers“ gucke, werde ich bis ans Wasser schauen können. Aber nur einen Tag lang, denn am nächsten werden schon die Gäste kommen, für die die neuen Bäder geputzt, die neuen Zimmer dekoriert, die neue Küche eingeräumt und die neuen Wohnräume mit Kaminholz und Brettspielen versehen werden müssen. Aber bis dahin ist es eben noch mindestens ein Jahr hin.

Momentan besteht unser Ferienhaus nur aus einer Baustelle und viel Fantasie. Gekauft haben wir es vor einem guten halben Jahr. Mein Freund und ich hatten eigentlich nach einem Berliner Eigenheim für uns und unsere beiden Kinder gesucht. Jeder, der sich in den vergangenen beiden Jahren an dasselbe Unterfangen wagte, wird bestätigen können, dass die Immobilien in Berlin inzwischen Preise erreicht haben, die das Budget einer Durchschnittsfamilie sprengen - auch wenn man bereit ist, ins Brandenburger Umland zu weichen. Ein Bundesland weiter, in Mecklenburg-Vorpommern, sind die Preise jedoch noch erträglich. Nach einem besonders frustrierenden und ebenso erfolglosen Versuch, ein Haus zu kaufen, beschlossen wir, stattdessen ein anderes Lebensziel anzugehen: die Vermietung eines Ferienhauses.

Vom Traum vom Haus zum Traumferienhaus

Nach ein paar Besichtigungen auf Usedom und Rügen rückte das Stettiner Haff in den Mittelpunkt unseres Interesses. Nur zwei Autostunden von Berlin entfernt, verspricht die Ostseeregion mit wunderbarer Landschaft, vielen kleinen Stränden, tollen Naturparks und zahlreichen touristischen Attraktionen einen abwechslungsreichen Urlaub. Hier, ganz in der Nähe vom Kurort Ueckermünde, fanden wir bei einer Besichtigung in dem kleinen Örtchen Grambin das Ferienhaus unserer Träume. Es liegt nur einen kurzen Spaziergang vom Strand entfernt. Eigentlich ein ganz normales Einfamilienhaus mit zwei Etagen, auf die sich insgesamt sechs Zimmer und zwei Bäder verteilen. Drumherum ein kleiner Garten. Und: von der Terrasse ein weiter Blick auf das Stettiner Haff. Innen und außen war zwar überall noch Renovierungsbedarf zu erkennen, doch das schien überschaubar und finanziell möglich. Außerdem hatten wir schon seit Ewigkeiten große Lust, selbst Hand an ein Haus zu legen und die Sanierung größtenteils eigenhändig zu stemmen. 

Zuhause rechneten wir eine Woche lang immer wieder alles durch. Welche Kosten würden auf uns zu kommen? Nicht nur die Anschaffungs- und Sanierungskosten mussten einkalkuliert werden, sondern auch die laufenden Abgaben und Steuern, die Benzinkosten für die ständigen Fahrten, die doppelten Strom- und Energiekosten und so weiter und so fort. Wir erstellten eine Excel-Tabelle, in der wir alle Kosten eintrugen. Dann überlegten wir, wie lange wir uns das ohne Einnahmen leisten würden können. Und schließlich recherchierten wir Preise anderer Ferienhäuser in der Region, verglichen sie mit der von uns geplanten Ausstattung und legten gedanklich unsere eigenen Preise fest.

Wir überlegten uns unsere Zielgruppe (große Familien oder mehrere Familien mit Kindern) und welche Anforderungen sie an ihr Feriendomizil stellt. Langsam wurden unsere Absichten fester und wir weihten auch die ersten Freunde und Verwandten ein. Wir hatten mit Skepsis gerechnet. Die kam dann auch. Fast jeder hatte einen skeptischen Beitrag zu liefern: Habt ihr euch das auch gut überlegt? Das ist doch viel zu viel Arbeit!… Ihr wisst doch eigentlich gar nicht, wie das geht… Dann müsstet ihr ja ständig hin und her fahren… Das ist viel zu teuer… So viel könnt ihr niemals einnehmen…

Der Jahrhundertsommer war auch unser Sommer

Trotzdem: Ein Gang zum Steuerberater und eine Beratung mit Freunden, die ein ähnliches Vorhaben schon umgesetzt hatten, und unsere Entscheidung zum Kauf war gefallen. Zwei Monate später konnten wir die Schlüssel zum Haus entgegennehmen. Für uns der perfekte Zeitpunkt, denn wir waren beide in Elternzeit und wollten die letzten drei Monate, bis unsere Tochter in die Kita gehen würde, nutzen. Für die Sanierung und für die Familie. Der Jahrhundertsommer 2018 war auch unser Sommer. Tagsüber lümmelten wir am Strand oder machten Ausflüge, nachts kratzten wir die Tapeten von den Wänden und die Teppiche vom Estrich. Ab und an wagten wir uns an größere Projekte wie dem Einriss einer Wand oder dem Abriss der Gäste-Toilette, die dringend zu einem vollwertigen zweiten Bad erweitert werden muss.

Eine der wichtigsten Lehren, die wir aus sämtlichen Vorhaben gezogen haben: Es dauert immer länger als man denkt. Wie oft haben wir gedacht, ach, das dauert maximal zwei Stunden und waren nach drei Tagen immer noch am gleichen Aufgabenpaket zugange! Anfangs war das unheimlich frustrierend, inzwischen können wir darüber lachen. Inzwischen schmunzelt mein Freund auch darüber, dass er manchmal mitten beim Arbeiten still halten muss, damit ich ein ordentliches Foto von ihm schießen kann, das ich dann auf meinem kleinen Sanierungsblog oder auf Instagram poste. Ich glaube, er genießt die Aufmerksamkeit fast ein wenig zu sehr, denn seine Posen werden immer gewagter! Der Blog ist mir übrigens sehr wichtig! Wir haben ihn howtoferienhaus.org genannt und wollen dort alles, was wir auf dem Weg zur erfolgreichen Vermietung unseres Hauses erleben, festhalten. Zum einen für uns, zum anderen für alle, die sich an ein ähnliches Unterfangen wagen wollen. Wir hoffen, dass das Beispiel einer völlig ahnungslosen Familie, die es trotzdem schafft (man sieht, ich bin wirklich optimistisch), ihnen Mut macht.

Wir möchten Weihnachten 2019 eröffnen

Unsere Kinder waren von Anfang an dabei und fanden in der Baustelle einen Abenteuerspielplatz. Natürlich stellte uns genau das vor allerhand Herausforderungen. Wir wollten schließlich nicht, dass das Baby sich den Bauschaum in den Mund steckte oder das Kleinkind mit der Kettensäge spielte. Als aus dem Sommer langsam Herbst wurde, konnten wir dennoch auf einiges zurückblicken und waren stolz auf uns.

Inzwischen haben wir sämtliche Abrissarbeiten erledigt und das Haus ist mit neuen Heizkörpern, Wasserrohren und Fenstern ausgestattet. Trotzdem ist noch viel zu tun. Dank der Kinder kommen wir weiterhin nur in Mini-Tippel-Schritten voran, doch das stört uns nicht. Mit unserem kalkulierten Budget können wir unsere aktuelle Geschwindigkeit noch ein weiteres Jahr finanzieren, dann sollten langsam die ersten Einnahmen fließen. Aber wir sind zuversichtlich. Wenn es gut läuft, wollen wir Weihnachten 2019 eröffnen. Wenn noch unvorhergesehene Dinge passieren, peilen wir die Oster-Saison 2020 an. Dann werden wir ziemlich genau zwei Jahre für die Sanierung gebraucht haben. Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern völlig ok, wie ich finde.

Auch heute noch, viele Monate nach dem Kauf unseres Ferienhauses, fragen erstaunlich viele Bekannte, ob wir unseren Kauf inzwischen bereut hätten. Um ehrlich zu sein, würde ich es ohnehin nicht zugeben, wenn es so wäre. Zum Glück gibt es nichts zu verheimlichen, denn trotz aller Arbeit bereuen wir nichts. Wir sind weiterhin sicher, den richtigen Weg gegangen zu sein. Wir sind weiterhin sicher, dass unser Konzept - Familien mit Kindern wundervolle Ferien am Wasser zu ermöglichen - aufgehen wird. Und wir sind weiterhin sicher, dass das nur das erste von mehreren Ferienhäusern sein wird. Und wer weiß, vielleicht kaufen wir irgendwann auch eines für uns selbst. 

Text und Fotos: Stefanie Rabe
Blog zum Projekt: howtoferienhaus.org

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